Die Krankenhauslandschaft in Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Mit der Krankenhausreform und der Einführung von Hybrid-DRGs stehen Kliniken vor enormen Herausforderungen, aber auch neuen Chancen. In diesem Blogartikel erhältst du einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der DRG-Abrechnung, die Auswirkungen der Krankenhausreform und die wachsende Bedeutung des ambulanten Operierens im Krankenhaus.
Das DRG-System (Diagnosis Related Groups) bildet seit seiner Einführung in Deutschland im Jahr 2003 das Rückgrat der Krankenhausfinanzierung. Es handelt sich um ein Klassifikationssystem, das Patienten anhand ihrer Diagnosen, Prozeduren und weiterer klinischer Merkmale in Fallgruppen einteilt. Jeder Fallgruppe ist ein Relativgewicht zugeordnet, das die durchschnittliche ökonomische Fallschwere repräsentiert. Durch Multiplikation mit dem Landesbasisfallwert ergibt sich der Erlös, den das Krankenhaus für die Behandlung erhält.
Die Grundidee des DRG-Systems besteht darin, ähnliche Behandlungsfälle auch ökonomisch ähnlich zu bewerten. Dies soll Transparenz schaffen, Effizienzanreize setzen und eine leistungsgerechte Vergütung ermöglichen. Gleichzeitig soll es die wirtschaftliche Planung und Steuerung von Krankenhäusern erleichtern.
🔍 Wichtig zu wissen: Das DRG-System umfasst primär die Vergütung von stationären Leistungen. Ambulante Leistungen wurden bislang über separate Systeme abgerechnet, was zu Schnittstellenproblemen und Fehlanreizen führte.
Das DRG-System unterliegt einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Für das Jahr 2025 wurden bedeutende Anpassungen vorgenommen:
Diese Änderungen stellen Kliniken vor erhebliche Herausforderungen, bieten aber auch Chancen für eine strategische Neuausrichtung und Optimierung der Leistungserbringung.
Die korrekte Kodierung und Abrechnung von DRGs bleibt eine der zentralen Herausforderungen im Klinikmanagement. Hierbei sind insbesondere folgende Aspekte zu beachten:
Für ein erfolgreiches Klinikmanagement ist es unerlässlich, diese Herausforderungen proaktiv anzugehen und entsprechende Expertise aufzubauen. Dies umfasst sowohl die Schulung des Personals als auch die Implementierung geeigneter IT-Lösungen und Prozesse.
Die Krankenhausreform stellt eine der tiefgreifendsten Veränderungen im deutschen Gesundheitswesen der letzten Jahrzehnte dar. Ihre Kernelemente umfassen:
Diese Kernelemente haben direkte Auswirkungen auf die DRG-Abrechnung und erfordern eine strategische Neuausrichtung der Kliniken.
Ein zentrales Element der Krankenhausreform ist die Einführung einer Vorhaltefinanzierung, die unabhängig von der tatsächlichen Leistungserbringung gezahlt wird. Diese soll etwa 60% der Gesamtfinanzierung ausmachen und dient der Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Versorgung.
Die Höhe der Vorhaltefinanzierung ist an die Zugehörigkeit zu bestimmten Leistungsgruppen gekoppelt. Diese Leistungsgruppen definieren, welche medizinischen Leistungen ein Krankenhaus erbringen darf und muss. Die Zuordnung erfolgt anhand definierter Qualitätskriterien wie personeller und technischer Ausstattung sowie Mindestfallzahlen.
⚠️ Wichtig für Klinikmanager: Die Zuordnung zu Leistungsgruppen ist entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft einer Klinik und sollte strategisch geplant werden. Hierbei sind sowohl medizinische als auch ökonomische Aspekte zu berücksichtigen.
Die Qualität der Behandlung soll künftig stärker Einfluss auf die Vergütung haben. Hierfür werden verschiedene Qualitätsindikatoren definiert, die regelmäßig gemessen und bewertet werden. Dies umfasst:
Die Integration dieser Qualitätskomponenten in die Vergütung erfolgt schrittweise und erfordert von den Kliniken ein umfassendes Qualitätsmanagement sowie entsprechende Dokumentations- und Nachweissysteme.
Hybrid-DRGs stellen eine der bedeutendsten Innovationen im deutschen Vergütungssystem dar. Sie ermöglichen eine einheitliche Vergütung unabhängig davon, ob eine Leistung ambulant oder stationär erbracht wird. Dies soll:
Hybrid-DRGs werden seit dem 1. Januar 2024 schrittweise eingeführt und haben das Potenzial, die Versorgungslandschaft grundlegend zu verändern.
Der Katalog für ambulante Operationen und stationsersetzende Eingriffe (AOP-Katalog) wurde zum 1. Januar 2025 erheblich erweitert. Er umfasst nun etwa 100 zusätzliche Operationen aus sieben Leistungsbereichen, darunter:
Diese Erweiterung betrifft etwa 300.000 bisher vollstationär erbrachte Fälle, die nun ambulant durchgeführt werden können oder müssen. Dies stellt Kliniken vor die Herausforderung, ihre Prozesse und Strukturen entsprechend anzupassen.
🔄 Praxistipp: Kliniken sollten frühzeitig analysieren, welche ihrer bisherigen stationären Fälle von der Erweiterung des AOP-Katalogs betroffen sind, und entsprechende Anpassungsstrategien entwickeln.
Die praktische Umsetzung der Hybrid-DRGs und des erweiterten AOP-Katalogs stellt viele Kliniken vor operative Herausforderungen. Hier einige Tipps für eine erfolgreiche Implementation:
Eine systematische Herangehensweise und eine frühzeitige Vorbereitung sind entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung.
Die Einführung von Leistungsgruppen und Hybrid-DRGs erfordert eine strategische Überprüfung und gegebenenfalls Neuausrichtung des Leistungsportfolios. Hierbei sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:
Basierend auf dieser Analyse sollte eine klare Strategie entwickelt werden, die sowohl medizinische als auch ökonomische Aspekte berücksichtigt.
Die zunehmende Komplexität der Abrechnung und die verstärkte Orientierung auf ambulante Leistungen erfordern eine Optimierung der Prozesse und eine fortschreitende Digitalisierung. Folgende Aspekte sollten hierbei im Fokus stehen:
Die Digitalisierung stellt eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung der aktuellen Herausforderungen dar.
Die Verschiebung von Leistungen in den ambulanten Bereich erfordert auch eine Anpassung der Personalstrukturen und -kompetenzen. Hierbei sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Eine systematische Personalentwicklung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Umsetzung der neuen Anforderungen.
Die aktuellen Entwicklungen in der DRG-Abrechnung, die Krankenhausreform und die Einführung von Hybrid-DRGs stellen Kliniken vor erhebliche Herausforderungen, bieten aber auch Chancen für eine strategische Neupositionierung. Der Trend zur Ambulantisierung wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken, und die Grenzen zwischen den Sektoren werden zunehmend verschwimmen.
Kliniken, die diese Entwicklungen frühzeitig erkennen und proaktiv gestalten, können daraus Wettbewerbsvorteile generieren. Hierzu bedarf es einer klaren strategischen Ausrichtung, einer konsequenten Prozessoptimierung und einer gezielten Personalentwicklung.
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Autor: Dr. Alexander Zuber, Kursleiter der Klinikmanagement Akademie
Dieser Artikel wurde am 25. März 2025 aktualisiert und entspricht dem aktuellen Kenntnisstand zur DRG-Abrechnung, Krankenhausreform und Hybrid-DRGs. Für individuelle Beratung empfehlen wir die Konsultation spezialisierter Experten.
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Dr. Alexander Zuber, Kursleiter der Klinikmanagement Akademie, bringt über ein Jahrzehnt Erfahrung in der komplexen Welt des deutschen Krankenhausmanagements mit. Er versteht es, die vielschichtigen Zusammenhänge dieser stark regulierten Branche verständlich und praxisnah zu vermitteln.
Seine Leidenschaft gilt dem Unterrichten – insbesondere mit modernen E-Learning-Technologien, die es den Teilnehmenden ermöglichen, individuell und im eigenen Tempo zu lernen. Mit seiner Expertise und Begeisterung schafft er eine inspirierende Lernatmosphäre, die Fachwissen greifbar macht.